Anna
Netrebko und Rolando Villazón
Von
Esther Girsberger, Kai Luehrs-Kaiser
Frau
Netrebko, Herr Villazón, Sie
werden als neues Traumpaar am Opernhimmel
vermarktet. Sind Sie glücklich
darüber?
Netrebko:
Manchmal wache ich morgens auf und hasse
es. Dann denke ich wieder: Gar nicht
so übel. Lass die Leute doch Ihren
Spaß haben.
Villazón:
Das letzte Traumpaar bestand aus Basketballern,
glaube ich. Jetzt sind wir dran! Ist
doch toll. Ich habe Anna vor sechs Jahren
zum ersten Mal gehört, sie mich
vor fünf. Wir lernten uns aber
erst letztes Jahr kennen - in München
bei "La Traviata". Jetzt sind
wir nicht mehr auseinander zu kriegen.
Haben
Sie neben der guten Stimme noch andere
Gemeinsamkeiten?
Netrebko:
Wir haben beide schwarze Haare, aber
man kann uns leicht an den Augenbrauen
unterscheiden. (Lacht.)
Villazón:
Wir beide lieben das Singen. Und wir
kommen pünktlich zu Interviews.
Frau
Netrebko, vor drei Jahren, als Sie Ihren
Durchbruch in "Don Giovanni"
hatten, fuhren Sie noch auf dem Fahrrad
durch Salzburg. Geht das heute noch?
Netrebko:
Kein Problem, mein Fahrrad steht unten
an der Ecke
Villazón:
aber mittlerweile ist es aus
Gold und vorneweg fährt eine Limousine.
Netrebko:
Unsinn! Mein Fahrrad ist ein rostiges,
altes Ding. Der Unterschied ist nur,
dass ich inzwischen auf der Strasse
erkannt werde. Trotz Mütze und
Sonnenbrille. Aber die Menschen sind
höflich, also bin ich glücklich
damit.
Bei
Ihrer Salzburger "Traviata"
wurden Schwarzmarktpreise bis zu 4000
Euro bezahlt. Ein Besucher bot gar zwei
Wochen Karibik für ein Ticket an
Villazón:
Haben Sie die Telefonnummer von diesem
Mann? Ich werde ihm ein Ticket verkaufen.
Im
Ernst: Wird Ihnen dieser Hype um Ihre
Person nicht manchmal zu viel?
Netrebko:
Mit meiner Person hat der ganze Rummel
nichts zu tun. Ich mache meine Arbeit,
gebe mein Bestes. Mehr interessiert
mich nicht. Darum gebe ich immer noch
keine? Interviews - dieses hier ist
eine Ausnahme. Aber die Leute schreiben,
was sie wollen. Ich warte auf den Augenblick,
an dem die Medien das Interesse an mir
verlieren und ich in Ruhe arbeiten kann.
Das
ganze Opernbusiness ist doch eigentlich
zum Showbusiness verkommen.
Villazón:
Oper als Showevent ist schön, denn
es geht um ein gutes Produkt. Oper ist
doch ein Neverland, eine großartige
Fantasy-Show, in der es allerdings auch
finstere Dinge gibt. Wenn das die Aufmerksamkeit
des großen Publikums findet, ist
es wunderbar! Was soll denn schlecht
an der Publicity rund um "La Traviata"
gewesen sein?
Die
Publicity hatte nicht allzu viel mit
Musik zu tun.
Villazón:
Mag sein, aber das wäre den Journalisten
zuzuschreiben. Jeder Künstler in
Salzburg war total auf seine Aufgabe
konzentriert. Es ist nun mal so: Vor
Jahrhunderten gehörte die Kunst
zur Religion. Heute sind es die Medien
und das Geld.
Frau
Netrebko, Sie posieren gelegentlich
für "Vanity Fair" oder
"Harper's Bazar" und rufen
damit die Boulevardpresse erst recht
auf den Plan.
Mit
guten Fotografen zusammen zu arbeiten,
macht einfach Spass. Welche Frau würde
die Chance ausschlagen, gut auszusehen
und schöne Kleider zu tragen? Übrigens
hat man beim Cover von "Vanity
Fair" nur meinen Kopf benutzt,
nicht den Körper. Das einzige,
was ich beim Fotoshooting fürchte,
ist die Windmaschine. Weil ich mich
nicht erkälten darf.
Würden
Sie sich für den "Playboy"
ausziehen?
Netrebko:
Ich könnte es machen. Anderseits
frage ich mich: Wofür? Ich brauche
das nicht.
Wird
Ihre Karrierekurve dank dem Modelling
noch grösser?
Netrebko:
Jemand hat mir erzählt, "Vanity
Fair" hätte mit mir auf dem
Cover 5000? Exemplare in nur einer Woche
verkauft. Aber auch das interessiert
mich nicht wirklich. Man fragt mich,
also posiere ich. Wann man mich nicht
fragt, lasse ich es. Um viel Geld geht
es dabei ohnehin nicht. Ich verdiene
zwar, aber nicht sehr viel.
Dafür
verdienen Sie als Opernstar gut genug?
Netrebko:
Ich schon, Rolando nicht, denn er hat
eine Frau und zwei Kinder. Aber bei
jedem Opernhaus existiert eine Obergrenze
für Abendgagen. Die liegt ungefähr
bei 15 000 Dollar pro Vorstellung.
Villazón:
Minus 30 Prozent Steuern, minus zehn
Prozent für den Agenten. Zudem
muss man Reise- und Hotelkosten selbst
zahlen. Alles nicht schlecht, aber am
Ende bleiben keine Millionen übrig.
Netrebko:
Wenn ich von diesen inoffiziellen Ticket-Preisen
höre, wäre ich lieber Schwarzmarkthändlerin.
Leider habe ich selber nur eine Karte
gekriegt. Vielleicht besser so, oder?
Andernfalls hätte ich sofort eine
Freundin vors Theater gestellt und sie
Karten verkaufen lassen. (Lacht.)
Thomas
Quasthoff hat im Interview mit der "SonntagsZeitung"
sinngemäss gesagt: Sobald Anna
Netrebko die ersten schlechten Kritiken
kriegt, wird man sie fallen lassen wie
eine heisse Kartoffel. Machen Sie sich
diesbezüglich manchmal Sorgen?
Netrebko:
Ja, darum lasse ich das Berufliche nicht
zu nah an mich heran. Wenn man mich
fallen lassen sollte besser: kritisiert,
werde ich schockiert sein, aber nicht
vernichtet. Ich lese die Kritiken nicht,
ausser die aus Russland. Sonst frage
ich nur, ob die Kritiken gut oder schlecht
sind. Und sie sind immer schlecht! Aber
machen Sie sich keine Gedanken um mich:
Ich bin nicht so leicht klein zu kriegen.
Villazón:
Zudem kann keine Kritik die Qualität
einer Vorstellung ändern. Das Publikum
entscheidet selber. Anna ist in Deutschland
und Österreich wie ein Popstar
behandelt worden. Ich finde das grossartig.
Über
Anna Netrebko als Privatperson weiß
man wenig. Ist das Zufall oder Strategie?
Netrebko:
Weder noch, das können wir ganz
rasch klären. Ich wohne allein.
Mein Freund lebt in Bologna und ist
gleichfalls Sänger. Ob ich heiraten
werde, weiss ich noch nicht. Ich liebe
das Alleinsein. Zwar werde ich sicher
eines Tages Kinder haben. Aber noch
habe ich keine Zeit dafür. Ich
will eine gute Mutter sein, nicht eine
Mutter um jeden Preis.
Werden
Sie das Singen dann aufgeben?
Netrebko:
Vielleicht gebe ich das Singen schon
früher auf. Möglicherweise
ändere ich in zwei Jahren mein
Leben komplett. Letztes Jahr wollte
ich ganz aufhören. Ich hatte genug
und war in der Stimmung, auszureissen.
Es machte mir plötzlich alles keine
Freude mehr.
Woran
lag das?
Netrebko:
Ich weiss es nicht. Mir liegt nicht
so viel an Geld. Auch nicht an Ruhm
und Ehre. Mir geht's um Musik und ums
Singen. Manchmal wird es sehr anstrengend,
man kriegt keine Luft mehr. Inzwischen
denke ich, dass ich wieder gut damit
umgehen kann.
Es
gibt zwei Biographien über Sie.
Sollten wir die lesen?
Netrebko:
Auf keinen Fall! Als man kam und mir
sagte, man wolle ein Buch über
mich schreiben, habe ich einen Schreck
bekommen und gesagt: Was wollt ihr von
mir? Ich bin jetzt 33 Jahre alt, mein
Leben beginnt erst! Aber ich war machtlos.
Man ist natürlich Teil eines Prozesses.
Aber ich habe jetzt wieder Mut gefasst
und den Eindruck, dass ich die Sache
gut in den Griff bekomme.
Vermissen
Sie manchmal Ihre Heimatstadt St. Petersburg,
in der nicht alle hinschauen, wenn Sie
gesungen haben?
Netrebko:
Und ob ich es vermisse! Aber ich lebe
ja noch dort. Das Publikum liebt mich.
Es ist meine Heimat und ich werde immer
dorthin zurückkehren.
Sie
sind ein durchaus neuer Typus von Opernsängerin:
Nicht so barock wie Cecilia Bartoli,
nicht so sehr Glamour-Diva wie Renée
Fleming. Wollen Sie die Oper moderner
machen?
Netrebko:
Die Oper hat sich auch ohne mich längst
verändert. Es gibt viele Sänger,
die jung und schräg sind, die sich
bewegen können und trotzdem gut
singen. Die neue Generation hat viel
bewirkt. Künstlerinnen wir Cecilia
Bartoli sind einzigartig. Cecilia ist
wunderbar, ich habe sie einige Male
getroffen und verehre sie.
Sie
stehlen Cecilia Bartoli etwas die Show.
Man
kann uns nicht miteinander vergleichen.
Wir nehmen uns gegenseitig nichts weg.
Auch Angela Gheorghiu und Renée
Fleming sind toll. Warum interessiert
man sich immer dafür, wer besser
ist? Auf dem Niveau dieser Sängerinnen
gibt es keinen Sieger zu küren,
sondern höchstens Wunder zu bestaunen.
Herr
Villazón, auch Sie leben mit
dem Vergleich. Kann man verhindern,
ständig an den drei Tenören
gemessen zu werden?
Villazón:
Nein, aber ich will trotzdem kein neuer
Domingo sein. Das wäre totaler
Blödsinn. Aus meinen Möglichkeiten
versuche ich, das Beste zu machen. Wenn
ich dann auf einem Zeitschriften-Cover
lande, umso besser. Es muss wohl meine
weibliche Seite sein, denn ich muss
zugeben: Ich liebe Publicity.
Verbringen
Sie beide ausserhalb der Proben Zeit
miteinander?
Villazón:
Wir sind gute Freunde, aber das sogenannte
Traumpaar könnte auch ohne das
funktionieren. Wir gehen gemeinsam ins
Kino oder zum Bowlen.
Netrebko:
Rolando hat Recht, das "Traumpaar"
ist reine Bühnensache. Gerade da
funktioniert es gut, weil wir total
unterschiedlich sind.
Das
heisst, Russland und Mexiko passen nicht
zusammen?
Villazón:
Oh doch! Von Russland kenne ich zwar
nur die Kultur. Wenn Sie Tolstoi oder
Dostojewskij lesen, merken Sie, wie
emotional die russischen Menschen sind.
Anna brennt buchstäblich, wenn
Sie auf der Bühne ist. Und das,
obwohl sich Russen immer als kalt betrachten.
Netrebko:
Wir betrachten uns nicht als kalt! Das
Wetter ist kalt in Russland, aber das
ist etwas anderes. Auch ich weiss von
Mexiko wenig. Wir Russen lieben das
Land, aber wir glauben, alle Mexikaner
seien Banditen. Als ob es da ständig
Schiessereien gäbe. Wir haben von
Mexiko hauptsächlich den Antonio
Banderas-Film "Desperado"
gesehen. Aber wir lieben mexikanisches
Essen. Ich auch. Mit Ausnahme der Kakerlaken.
Villazón:
Wir essen doch keine Kakerlaken! Was
erzählst du denn! Wir essen Würmer
und Grillen, das ist ein Unterschied.
Frau
Netrebko, Sie sagen auf Ihrer Homepage,
alle Russen bräuchten "a little
shit" in ihrem Leben. Was ist der
kleine Mist in Ihrem Leben?
Netrebko:
Oh, das Leben hält immer wieder
neuen Mist bereit. Aber ich bin nicht
ganz ernst, wenn ich das sage. Es stimmt,
wir Russen denken: Wenn alles in Ordnung
ist, stimmt irgendwas nicht. Es tut
mir leid, aber ich finde wirklich, dass
dumm sein muss, wer immer glücklich
ist.
Aber
Sie, Herr Villazón, wirken nun
wirklich wie ein Temperaments-Sonnenschein.
Sind Sie es nicht?
Villazón:
Totales Glück wäre ein Horror.
Das Leben ist schön, aber es tut
weh. So soll es sein. Wem die Welt,
wie sie ist, nicht wehtut, dem ist nicht
zu helfen. Glück ist nur der glühende
Augenblick inmitten des öden Ganzen,
daran muss man sich gewöhnen.
Netrebko:
Rolando zeigt seine schlechte Stimmung
nicht, und das schätze ich an ihm.
Das ist klug und weise.
Stimmt
es, Herr Villazón, dass Sie ein
Mal im Monat zum Psychiater gehen?
Villazón:
Es ist ein Psychologe, kein Psychiater.
Der wäre nur für die Einweisung
zuständig. Meine Frau ist Psychoanalytikerin.
Aber bei ihr kann ich mich schlecht
analysieren lassen. Ich habe vier Psychoanalyse-Sitzungen
pro Woche. Eine normale Psychoanalyse.
Sie
sollen ein guter Zeichner sein.
Villazón:
Ja, und das verbindet mich wieder mit
Anna. Denn sie kann ebenfalls zeichnen,
und zwar besser als ich.
Netrebko:
In Öl und Wasserfarben. Ich wollte
ursprünglich Kunst studieren. Am
liebsten male ich Frauen, die sind besser
für mich. Männer sind irgendwie
komplizierter. Im Moment komme ich allerdings
nicht dazu, weil jetzt alle Gefühle
ohne Umwege in die Musik einfliessen.
Haben
Sie einander schon gezeichnet?
Netrebko:
Ja, er hat's gemacht, und es war fürchterlich.
Er hat eine Karikatur aus mir gemacht.
Können
wir das mal sehen?
Villazón:
Auf keinen Fall! Ich bin kein Zeichner,
nur Cartoonist. Aber ich will Annas
Karriere nicht zerstören.
Herr
Villazón, passiert es, dass ein
Regisseur Ihren Übermut bremsen
muss?
Villazón:
Ich sage den Regisseuren immer: Wenn
ich durchdrehe, ruft einfach "Stopp".
Ich möchte überfordert werden.
Daran kann ich wachsen. Und daran erkenne
ich meine Grenzen. Ich bin sehr still
und sehr ernst während der Proben.
(Anna lacht.) Wir lachen niemals während
der Arbeit. (Beide lachen.)
Sie
geben auch Open air- und Stadion-Konzerte.
Kriegt das Publikum dort die echte Anna
Netrebko zu hören?
Netrebko:
Das kommt drauf an. Manche dieser Konzerte
haben sehr gut funktioniert, zum Beispiel
das in der Köln-Arena. Die ist
angeblich ähnlich wie das Hallenstadion
in Zürich, in dem wir im November
ja auftreten. In Köln gab es eine
spezielle Atmosphäre, wirklich
toll. München war nicht so einfach,
denn es war einfach zu gross. Da müsste
man populärere Sachen anbieten,
aber meine Welt ist die Oper. Mehr Leute
zur Oper zu bringen, macht mich glücklich.
Anna
Netrebko ist mehrfach in Verbier aufgetreten.
Waren Sie, Herr Villazón, schon
jemals in der Schweiz?
Villazón:
Ja, in Berlin. (Lacht.) Wenn Sie das
drucken, verklage ich Sie! (Lacht lauter.)
Netrebko:
Ich bin schon einmal von einem Zehn-Meter-Turm
in den Genfer See gesprungen. Es fühlte
sich an wie dreissig Meter.
Villazón:
In Genf war ich auch schon. Das schöne
am Sängerberuf ist ja, dass man
Zeit zum Sightseeing hat. Da sah ich
am Bahnhof diesen Geigenspieler sitzen,
der ziemlich schlecht spielte. Ich setzte
mich, um zu sehen, wie viel Geld er
in einer Stunde verdient. Es war eine
einzige Münze. Da dachte ich: Tu
eine gute Sache und schlug ihm vor,
"O sole mio" gemeinsam vorzuführen.
Er kannte den Titel nicht, also sang
ich es vor. Leute sammelten sich um
uns, ich konnte nicht mehr aufhören.
Netrebko:
Und hast du das Geld dem Geigenspieler
gegeben?
Villazón:
Klar, 10 Prozent. (Lacht.) Am Ende verabschiedete
ich mich mit "Bye bye". Aber
er hat nur gesagt: "Tomorrow?!"
- Eine wahre Geschichte.
Netrebko:
Rolando hat das auch schon in Los Angeles
versucht, aber da war ich die Einzige,
die ihm Geld gab. Ich hatte Mitleid
und dachte, ich müsse ihm helfen.
Frau
Netrebko, stimmt es, dass Sie Nikolaus
Harnoncourt am Wiener Flughafen vorgesungen
haben?
Netrebko:
Was glauben Sie? Vor allen Leuten?!
Natürlich nicht. Eine typische
Geschichte, die ich nur mit meinem Lieblingswort
kommentieren kann: "Bullshit!"
Nein, dieses Vorsingen hat im Wiener
Konzerthaus stattgefunden. Solche Geschichten
entstehen durch den kleinen Unterschied,
der die Sängerin vom Star trennt.
Sie entstehen von selbst. Furchtbar,
nicht?
Sie
haben kürzlich ?eine Reihe von
Auftritten abgesagt und sind überhaupt
mit Terminen zurückhaltend. Brauchen
Sie eine Auszeit?
Netrebko:
Stimmt, ich brauche immer wieder eine
Pause. Nach jedem ?Auftritt benötige
ich Wochen, um mich zu beruhigen. Diesmal
in Italien, bei meinem Freund in Bologna.
Andererseits
flüstern unsere Firmenspione, dass
Sie beide demnächst für die
Deutsche Grammophon aufnehmen. Wechselt
Rolando Villazón das Label?
Netrebko:
Er hat schon!
Villazón:
Ja, stimmt. Ich war bei "Virgin"
sehr glücklich, aber inzwischen
bin ich keine Jungfrau mehr. Bei DG
planen wir eine "Traviata",
vielleicht "Roméo et Juliette"
und "Lucia di Lammermoor".
Mit Anna und mir. Auch eine Duett-CD
soll es geben.
Warum
wird Ihre Mozart-CD, Frau Netrebko,
immer wieder verschoben. Sind Sie zu
faul zum Lernen?
Netrebko:
Das Problem ist, dass ich kaum Mozart
singe - nur Donna Anna im "Don
Giovanni". Um mich von den schweren
Belcanto- und Verdi-Rollen umzustellen,
braucht man Zeit. Wenn ich eine Sache
nicht erstklassig machen kann, lasse
ich ganz die Finger davon. Aber ich
freue mich auf die Susanna im "Figaro"
zur Eröffnung der Salzburger Festspiele
im nächsten Jahr. Wenn es soweit
ist, wird auch die Mozart-CD erscheinen.
Und falls nicht, dann nicht.
Vor
dem Publikumsansturm dieses Netrebko-"Figaro"
fürchtet man sich in Salzburg ja
heute schon. Gibt es für Sie eigentlich
eine Traumrolle?
Villazón:
Sie träumt von Isolde. Aber davor
machen wir erst "Manon" von
Massenet, "Roméo et Juliette"
und wieder "Traviata".
Netrebko:
Wir werden auch "Bohème"
zusammen machen, und zwar überall!
Ich werde dann erstmals die Mimi singen.
Vermissen
Sie irgendwas in Ihrem Leben?
Netrebko:
Nein, ich bin glücklich.
Villazón:
Wir Sänger sind immer Peter Pan
und Kapitän Hook in einer Person.
Wir brauchen den Gegenpart in uns selbst.
Zu viel Glück kann auch schädlich
sein.
Immerhin
haben Sie beide eine Traumfigur. Können
wir noch rasch einen Diät-Tipp
von Ihnen bekommen?
Netrebko:
Leider nicht. Mein Fehler ist, dass
ich zu gerne esse. Ich neige zum Fettwerden.
Es ist mir passiert, dass ich für
schwanger gehalten wurde, weil ich gerade
vom Essen kam. Kaum habe ich eine kleine
Mahlzeit eingenommen, sehe ich aus wie
im sechsten Monat. Keine schmale Taille,
leider!
Villazón:
Ich tue nichts, um schlank zu bleiben.
Und bin es trotzdem - noch. Doch wenn
nicht, macht's auch nichts: Können
Sie sich einen übergewichtigen
Rodolfo vorstellen? Völlig okay!
Dicke Menschen dürfen sich auch
verlieben.
Netrebko:
Zudem gilt für mich: Nur kein Sport.
Was wieder gefährlich ist! Eine
übergewichtige Traviata wäre
doch eine fatale Sache. Man muss ihr
die Kurtisane und die Schwindsucht immer
noch glauben können. Wie eine Aida
aussieht, ist gleichgültig. Aber
die singe ich leider nicht. Ich bin
zum Schlanksein verdammt.
Anna
Netrebko und Rolando Villazón
treten am 19.11. gemeinsam im Zürcher
Hallenstadion auf.