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Kinder und Opern


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"Die Musik war so schön"
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Das Projekt "Kinder und Opern" soll Klassik-Nachwuchs fördern
Von Sylvie-Sophie Schindler

Auf manchen Briefen grinsen Diddl-Mäuse. Auf anderen sind große bunte Herzen gemalt und viele Blumen. "Danke, lieber Herr Klose", schreiben die Kinder aus den Grundschulen an der Jenaer Straße und der Hanselmannstraße. Und Herr Klose, der aussieht, als würde er immer lächeln, freut sich über die vielen Briefe. Und über die vielen Mädchen und Jungen, die fröhlich winken, wenn sie ihn auf dem Pausenhof sehen.

Verona war eine Reise wert: Die musikbegeisterten Grundschüler von der Jenaer Straße - Foto: Reinhard Kurzendörfer
Verona war eine Reise wert: Die musikbegeisterten Grundschüler von der Jenaer Straße
Foto: Reinhard Kurzendörfer

Viele Tage lang waren sie zusammen in Italien, der Herr Klose und 30 Grundschüler. In Verona, im Teatro Filarmonico, beim Ballet Schwanensee. Eigentlich eine Reise, die sich die Eltern der Kinder nicht leisten könnten. Doch genau diese Kinder unterstützt Rainer Klose mit seiner Initiative "Kinder und Opern", übernimmt sämtliche Kosten und kümmert sich um die Organisation.

Müge sagt, dass sie seit zwei Jahren keinen Urlaub mehr hatte. Und schon lange nicht mehr so viel Spaß. Die neunjährige Clara erzählt: "Wir saßen ganz hoch oben in einem Balkon, da waren die anderen Menschen so klein wie Barbiepuppen." Tiffany schwärmt von den Ballett-Tänzerinnen. "Irgendwann einmal werde ich auch Primaballerina", sagt sie. Auch Alexander erzählt. Und Medina.

Opernfan: Rainer Klose
Opernfan: Rainer Klose

Als einmal kurz Pause ist, sagt Matina mit leiser Stimme: "Die Musik war so schön, so spannend und gefühlvoll." Herr Klose hört zu. Auch seine Augen leuchten. Eigentlich ist Rainer Klose Geschäftsführer einer Agentur für Marketing. Ein musikbegeisterter Mann, der abends gerne in die Oper geht. Dass er Kindern den Zugang zur klassischen Musik eröffnen will, diese Idee hatte er erst nach einem Unfall vor zwei Jahren. Ein schwerer Unfall mit beinahe tödlichem Ausgang. "Danach dachte ich, es muss doch etwas Sinnvolles geben, was ich auf dieser Welt noch machen kann", sagt Rainer Klose. 2004 gründete er "Kinder und Opern", im August letzten Jahres kamen 30 Schüler aus Moosach zu einem Konzert von Placido Domingo nach Verona. Heuer, im Juli, sitzen 30 Kinder in der ersten Reihe, beim Konzert von Anna Netrebko auf dem Königsplatz. Anschließend dürfen die Kinder die berühmte Opernsängerin hinter der Bühne treffen.

Auch die Salzburger Festspiele, mit der Mozart-Oper "Cosi fan tutte" stehen auf dem Programm. "Ich will in Kindern das Bedürfnis nach klassischer Musik wecken, so kann man langfristig auch Besucher von Opern generieren", erklärt Klose. Die Lehrer und er wählen sorgsam aus, wer mit dabei sein darf. "Unsere Entscheidung hängt auf keinen Fall von der Leistung der Schüler ab", sagt Heidi Haenisch, Rektorin an der Grundschule an der Jenaer Straße. Entscheidend sei vor allem die wirtschaftliche und soziale Lage der Familien, in der die Kinder leben. "Wir wollen vor allem Kinder aus ärmeren Familien fördern", sagt sie. Oder auch die aus kinderreichen Familien. "Ich habe vier Geschwister, ohne Sie wäre ich nie nach Italien gekommen", schreibt ein Mädchen an Herrn Klose. An den Briefrand hat sie viele kleine Herzen gemalt.

Artikel erschienen am 27.5.2005 - Münchner Merkur



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