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Wegen Erkältung ohne Tenor: Anna Netrebkos Recital

Wenn Anna Netrebko absagt, steht (wie in der Staatsoper letzten Mittwoch) der Intendant zur Beruhigung des Publikums im Foyer. Bei der Erkältung ihres Tenorpartners Joseph Calleja genügen ein paar Aushänge und Einlegezettel: Niemand regte sich auf. Denn nun gab es zwei Stunden Anna pur.

Anna Netrebko
Auch die Blumen trugen Rosa: Anna Netrebko mit Dirigent Maurizio Barbarini und dem
Münchner Rundfunkorchester beim Schluss-Applaus in der Philharmonie. F.: Rudnik/action press

Schade eigentlich, denn das Bellini-Duett auf Callejas aktueller CD „The Golden Voice" (Decca) machte neugierig auf die angekündigten Szenen aus „Rigoletto" oder „Lucia di Lammermoor". Dafür sang Anna Netrebko acht Highlights aus ihren beiden Solo-Recitals. Trotz der kurzfristigen Programm-Änderung stimmte die Mischung zwischen Ouvertüren und Gesangsnummern.

Und wieder wurde deutlich: Die Frau ist wirklich ihr Geld wert. Anna Netrebko verwandelt die Kitsch-gefährdete Micaela aus Bizets „Carmen" in eine moderne, selbstbewusste Frau. Im elegischen Belcanto-Fach ist die Sopranistin mit der dunkel gekörnten Stimme eine Idealbesetzung. Bei Donizettis „Regnava nel silenzio" aus „Lucia di Lammermoor" singt sie die fünf Phrasen der Melodie mit wunderbarem Legato. Sie verziert die Wiederholung des schnellen Teils mit viel Geschmack, die Tempo-Rückungen passen, und die Spitzentöne stehen nicht im Dienst der zirkushaften Selbstdarstellung. Ein Auftritt, ein paar Takte, und die Opernfigur steht auch ohne Inszenierung in der restlos ausverkauften Philharmonie, in der sogar auf dem Podium, im Rücken der Sängerin, die Fans drängten.

Nach der Pause tauschte Anna Netrebko ihr weiß-silbernes Kleid gegen eine rosa Kreation mit gewagten Volants, die schon am Samstag in „Wetten, dass ...?" zu sehen war. Auch die im zweiten Teil eingestreuten menschelnden Charme-Einlagen waren perfekt: Wenn Anna Netrebko beim Musette-Walzer aus „La Bohème" mit dem Dirigenten Maurizio Barbacini schäkert und ihm die Partitur klaut, ist das eine lustige Konzert-Kurzfassung der Szene aus Puccinis Oper.

Wer macht so etwas im Moment perfekter und bedient sowohl Gesangs-Freaks wie das Klassik-Entertainment? Gern würde man ihre komplette Lucia und Rusalka live oder auf CD hören. Es wird sich zeigen, ob die Beschränkung auf Recitals und wenige Rollen wirklich klug ist.

Aber vorerst darf gejubelt werden. Und das wurde nicht zu knapp: Schon zur Pause gab's rote Rosen, hinterher noch viel mehr und zwei Zugaben: die Puccini-Schmonzette „Mio babbino caro" und Franz Lehárs „Meine Lippen, sie küssen so heiß".
Robert Braunmüller

Artikel erschienen am 10.11.2005 - Abendzeitung München



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